Nachdem ja jetzt doch schon ein bisschen Zeit vergangen ist seitdem wir wieder aus Transsylvanien zurück sind, kommt hier nun endlich ein erster kleiner Bericht:
Zu Beginn gilt es noch mal klarzustellen, dass
Transsylvanien keineswegs in Ungarn, sondern in
Rumänien liegt. Rumänien, das ist ein Nachbarland von Ungarn welches u.a. auch am schwarzen Meer liegt. Vielen Menschen in Rumänien geht es leider nicht so gut, obw

ohl das Land mittlerweile auch der EU angehört. Nichtsdestotrotz spielt der Tourismus in Rumänien eine wichtige Rolle und die Menschen gelten als sehr gastfreundlich.
Nun, auch wir beide, Babs und ich, sind für ein paar Tage in die Rolle von Touristen geschlüpft. Und was braucht ein Tourist um ein richtiger Tourist zu sein? Richtig, erstmal einen schönen großen Rucksack, der einen überall und v.a. an Bahnhöfen als Tourist identifiziert (Babs hatte sich extra noch einen schönen, großen Backpack gekauft;-). Dazu noch ein Reiseführer (jepp, auch den hatten wir) und keinen Plan… also keinen Plan von Land uns Sprache. Zumindest geografisch….
Auf geht es!
Wie ihr dem vorherigen Beitrag entnehmen könnt, hatten wir immerhin unsere Tour mehr oder weniger gut geplant und skizziert: Los ging es also am späten Montagabend um 23:00 Uhr mit einem Bus der Firma „
Orangeways“. Das Konzept von denen ist eigentlich ganz

cool: Die bieten sehr günstige Verbindungen in viele große Städte an (z.B. nach Bratislava und Wien für ab 7 bzw. 13 Euro), oder eben Rumänien. Die Fahrt hin und zurück hat uns gerade einmal (zusammen) etwa 64 Euro gekostet!! Dazu gab es an Bord heiße Schoki, Kopfhörer und Filmeschauen für umsonstJ. Zwar ist die Beinfreiheit ein bisschen eingeschränkt wenn der Vordermann den Sitz zurückklappt, aber sonst ist’s eigentlich ganz bequem…
Erste Station: Târgu Mureş
Früh am Dienstagmorgen kamen wir dann in
Târgu Mureş (zu Deutsch: Neumarkt am Mieresch) an

. Der erste Eindruck war erstmal gedämpft: Raus gelassen am Busbahnhof (
Autogara, dieses Wort ist wichtig!!) mussten wir uns erstmal orientieren, was nicht so einfach war. Wir wollten irgendwie ins Stadtzentrum, welches laut Reiseführer etwa 2 km vom Autogara entfernt sein sollte. Leider war dieser aber nicht auf der Karte eingezeichnet, daher mussten wir uns auf unser Gefühl (bzw. den Orientierungssinn) verlassen.
Targu Mures ist eine, nun wie soll man sagen, also zumindest auf den ersten Blick keine schöne Stadt. Plattenbauten, teils zerfallene Gebäude, große Schilder und Kabel überall, Zigeuner und andere komische Gestalten und ziemlich schlechte Straßen und Wege. Der Unterschied zu Budapest bzw. Ungarn ist um einiges krasser als von Deutschland nach Ungarn.
Wie der Name schon verrät, galt die Stadt in früheren Zeiten als
wichtiger Handelsplatz und so ist es kein Wunder, dass das Stadtzentrum eigentlich ganz nett war. Besonders die örtliche
Zitadelle war einen Besuch wert. Dort mussten wir auch feststellen, dass der Kapitalismus schon längst und unvermeidlich in Rumänien Einkehr erhalten hatte:

Dank Kapitalismu

s konnten wir auch an der örtlichen UniCredit-Bank Geld abheben. Doch wie viel war denn jetzt ein
Ron wert? Und was bitte ist dieses Lei? Also ein Euro sind etwa 3,65 Ron und Lei ist wohl die alte Währung… . Dennoch waren die Preise mal in Lei und mal in Ron, was doch etwas verwirrend war. Da lob ich mir doch den Euro!!
Eine Frage stellte sich jedoch: Was hat die Skulptur der Wölfin „
Lupoaica Romei“ mit den säugenden Zwillingen
Remus und
Romulus hier zu suchen? (man beachte, dass diese übrigens auch in einigen anderen rumänischen Städten und Gemeinden zu finden ist). Wer diese Frage beantworten kann, bekommt bei nächster Gelegenheit ein Bier ausgegeben;-)
[Einsendeschluss ist Sonntag, 16.11.2008; der Rechtsweg ist ausgeschlossen]

Zweite Station: Sighişoara

Nach ein paar weiteren Impressionen der Stadt ging es weiter nach
Sighişoara, unserer zweiten Station. Wie bereits oben angedeutet, ist der
Bus in Rumänien ein weit verbreitetes Verkehrsmittel. Allerdings sprechen wir hier nicht von großen Bussen wie wir sie kennen, sondern von Minibussen für etwa 15 Personen, welche zwischen den einzelnen Städten und Orten verkehren. So einen Bus nutzten wir dann auch für die „Überfahrt“ nach Sighisoara. Und hier sollte sich erstmals die schöne Seite Transsylvaniens zeigen. Bei herrlichem Wetter passierten wir
Pferdkutschen, mussten
Kühen und
Schafen auf der Straße ausweichen und sahen kleine Ortschaften, die wie aus längst
vergangener Zeit wirkten. Nach einer g

uten Stunde erreichten wir dann Sighişoara.
Sighişoara (bzw. Schässburg) ist eine wunderschöne, alte kleine Stadt, die auch das „Rothenburg ob der Tauber Rumäniens“ genannt wird. Und warum? Zu Recht!! Aufgeteilt in
Unter- und
Oberstadt, bildet die Oberstadt so etwas wie eine große Festung (Zitadelle) mit mittelalterlichen Gässchen, Häusern, Türmen und einer Kirche.
Herbergslos
In der Oberstadt gibt es auch eine Jugendherberge, in der wir eigentlich übernachten wollten. Leider war diese schon völlig belegt, so dass wir nach Alternativen schauen mussten. Wie aber bereits erwähnt, ist Transsylvanien sehr gastfreundlich, d.h. es gibt auch überall Unterkünfte für arme, müde Backpacker. Unser Reiseführer führte u.a. eine günstige Unterkunft einer privaten Person auf, die gleich in der Nähe des Hostels lag. So gingen wir dorthin und erkundigten uns nach einer Schlafmöglichkeit. Leider war das eine Zimmer schon komplett belegt und das andere vorreserviert… Wir wollten uns bereits wieder freundlich verabschieden, als man uns irgendetwas klar machen wollte. Eine jüngere Frau sagte uns in englischen Brocken, dass die ältere Dame, die auch anwesend war, ein Zimmer hätte. Nun ja, so gingen wir mit ihr ein paar Häuser weiter, wo wir eine weitere Frau trafen. Zusammen zeigten die beiden

uns dann ein Zimmer, in dem wir wohl schlafen konnten. Da das Zimmer wirklich schön war (und sogar einen Fernseher hatte) sagten wir zu und die beiden begannen gleich das Bett noch mal frisch herzurichten. Mit Händen und Füßen und ein paar Brocken ungarisch (wobei sie wohl auch kein ungarisch sprachen und verstanden) konnten wir uns verständigten und bekamen heraus, dass wir das Zimmer zum Preis von 80 Ron (etwa 24 Euro) haben konnten. Das war übrigens der Standartpreis, den wir bei all unseren Übernachtungen gezahlt haben. Allerdings war dieses Zimmer vom Preis-Leistungsverhältnis her mit Abstand am Besten.
Sightseeing in Sighisoara bei strahlenden Sonnenstrahlen
Die restliche Zeit des Nachmittags nutzten wir, um die Stadt anzuschauen. In der
Oberstadt fühlten wir uns tatsächlich ein bisschen zeitversetzt,; zu niedlich waren die vielen kleinen
Patrizierhäus
chen,
Gässchen und
Türmchen. Von den ursprünglich vierzehn Wehrtürmen, die jeweils einer der Zünfte gehörten, sind heute noch neun erhalten. So gibt es u.a. noch einen Schneiderturm, einen Kürschnerturm und einen Zinngießerturm. Der mächtigste Turm der Stadt ist jedoch der
Stundturm, welcher zugleich Wahrzeichen der Stadt ist. Dieser Turm war früher nicht nur Wehrturm, sondern gleichzeitig auch Schatzkammer und das Haupttor zur Oberstadt.
Weitere Highlights der Stadt sind die Klosterkirche und die
Bergkirche, zu welcher man über eine 175-stufige Treppe gelangt. Diese überdachte Treppe wurde im Jahre 1642 von einem

besorgten Schulmeister errichtet, damit seinen Schülern im Winter der Weg hoch zur neben der Kirche gelegenen Schule leichter fiel. Was haben die Lehrer nicht früher alles für ihre Schüler gemacht…;-)
Außerdem konnten wir noch den wunderbaren Blick über das Umland genießen...
Draculas Blut
Der sag

enumwobenste Platz der Stadt befindet sich am Marktplatz. Und um wen könnte sich dieser Mythos drehen? In einem unscheinbaren Patrizierhaus an diesem Platze soll er geboren sein,
Vlad Ţepeş Draculae, in den vielen Legenden besser bekannt als
Graf Dracula. Während

Draculae auf Deutsch soviel heißt wie "
Sohn des Drachen" bekam Vlad III. (welcher er im 15. Jahrhundert Voievod des Fürstentums Walachei war) den Beinamen Ţepeş aufgrund seiner Vorliebe für die Hinrichtungsart der
Pfählung. Nun, zwar kann nicht belegt werden, dass Vlad III. tatsächlich in diesem Haus geboren wurde, aber mei, gönnen wir den Rumänen doch den Touristenansturm (und dem Hausbesitzer bzw. Wirt das Geld);-).
[Kleine aber feine Anmerkung von Barbara: Vlad Tepes Draculae war der Papa vom Dracula ;-)]Müde, müde geh zur Ruh...
Nach dem ganzen Sightseeing gingen wir noch runter in die Unterstadt, um uns

mit Proviant für den nächsten Tag einzudecken. Anschließend, es war mittlerweile auch schon Abend, ließen wir uns in einem netten, rustikalen Restaurant nieder, wo wir recht günstig dinierten. Dann machten wir uns im Dunkeln auf den Weg zurück in die Oberstadt und in unser Quartier. Dort angekommen fielen wir mehr oder weniger fix und fertig ins Bett (es sei angemerkt dass die Uhren in Rumänien eine Stunde vorgehen).
Zu guter Letzt ein seltsames Verkehrschild...
Die Bedeutung des Schildes ist wohl klar: Roter Kreis mit weißem Grund heißt immer Achtung. Und durchgestrichen heißt verboten. Folglich darf man hier wohl nicht trompeten. Der Ursprung dieses Verbots geht weit zurück. Es war wohl im tiefen Mittelalter, als die Pest die Stadt heimsuchte und viele Leute starben. Um seiner Trauer Ausdruck zu verleihen, begann ein junger Weberlehrling, jeden Abend an den Toren der Stadt auf seiner Trompete zu spielen. Eines Tages jedoch begannen auf einmal die Mauern des Torbogens zu schwanken und kurz darauf stürzten eine Reihe von Häusern und Gebäuden ein, die so dichteinander gebaut waren, dass die Satik dem Druck nicht standhielt. So stürzte auch das Haus des Schneidermeisters ein, der mit seiner holden Tochter gleich neben dem Tor wohnte. Doch das des Übels nicht genug, denn zur gleichen Zeit fielen die Osmanen in das gebeutelte Städtchen ein und erbeuteten alles, was sie nur kriegen konnten...