Thursday, October 16, 2008

Mit dem Fahrrad durch die Puszta...

...endlich hier auch der Bericht zu unserem letzten Wochenendausflug, von dem ihr ja schon seit Montag die Fotos bewundern könnt.

Die Idee hatte ich irgendwann im August. Was Andi anfangs als Schnappsidee abgetan hat, wurde einer unserer schönsten Ausflug in Ungarn bisher...

* * *

SAMSTAG 11. OKTOBER

Budapest, 5:30 Uhr:

Der Wecker läutet und läutet und läutet. "Schatz!!! Komm lassen wir das, lass und lieber weiterschlafen und einen entspannten Tag machen" (Zum Glück) war Andi genauso gnadenlos wie unser Wecker und so führte kein Weg daran vorbei aus dem Bett zu kriechen, unter die (unfreiwillig kalte) Dusche zu springen, Brote zu schmieren und dann zum Bahnhof aufzubrechen.

Da uns die Tram vor der Nase wegfuhr mussten wir dann die letzten Meter zum Bahnhof laufen um unseren Zug noch gerade so zu erwischen. Unser erstes Ziel an diesem Tag war allerdings nicht die Puszta, sondern Debrecen (da kommen übrigens die Debreciner - Würschtel her), die zweitgrößte Stadt Ungarns.
Zweieinhalb Stunden später kamen wir dann an:

Debrecen:

Am Bahnhof angekommen machten wir uns auch gleich auf den Weg die Sehenswürdigkeiten von Debrecen, das auch Calvinistisches Rom genannt wird zu besichtigen. Obwohl die Stadt nur um die 200.000 Einwohner (Budapest hat zum Vergleich 1,8Mio.) hat, war sie historisch gesehen von großer Bedeutung:

Zum einen wurde die Stadt während der 1848er Revolution zum Hauptquartier seiner Freiheitskämpfe und zum Sitz seiner Regierung gemacht. In der großen reformierten Kirche erklärte er dabei Ungarns Unabhängigkeit und die Absetzung der Habsburger! Zum anderen trat ein Jh. später in Debrecen eine provisorische Nationalversammlung zusammen und wurde Hauptstadt der bis dahin befreiten Landesteile.

Neben der äusserlichen Besichtigung der großen reformierten Kirche, des reformierten Kollegiums, einigen hübschen Gebäuden, Statuen und Denkmälern besuchten wir auch das sehr sehenswerte Deri Museum. Neben einer volkskundlichen Sammlung findet man hier die sehr berühmte Trilogie des ungarischen Malers Mihály Munkácsi (ecce homo, christus vor pilatus und golgotha). Leider waren nur zwei der beeindruckenden Werke da...

Nach dem Museumsbesuch machten wir uns auf den Weg zum Bahnhof um von dort mit einem herrlich altmodischen Bummelzug nach Hortobagy (gesprochen: Hortobadsch) in die Puszta zu fahren.

Hortobagy, 14:15Uhr:

oben, links & rechts: der nette Bummelzug von Debrecen nach Hortobagy; unten links: die berühmte Neun-Bogen-Brücke ; rechts: die Straße unserer Unterkunft


"Wo schlafen? Wo schlafen? Ich habe Zimmer." So empfing uns eine recht geschäfttüchtige (nette) alte Dame, bei der wir uns wegen Fahrrädern erkundigten. So hatten wir schon recht bald eine Bleibe für die Nacht, Fahrräder für den nächsten Tag und viel Zeit um den Ort Hortobagy zu erkunden.

unsere Unterkunft in Hortobagy

Nach einem Spaziergang durch den Ort und die Gegend aussenrum beobachteten wir noch einen wunderbaren Sonnenuntergang. Anschließend gingen wir dann in einer Csárda essen. Natürlich ließen wir uns leckere Gulyas - Suppe schmecken....

Sonnenuntergang in Hortobagy. Auf der linken Hälfte des Bildes kann man einen für die Puszta typischen Ziehbrunnen sehen :-)

* * *

Sonntag 12. OKTOBER 2008

Mit dem Fahrrad durch die Puszta:

Morgens war wieder früh aufstehen um halb 7 angesagt. Wir wollten ja möglichst viel an dem Tag sehen. Nach einem leckeren Frühstück ging es dann noch bei dichtem Nebel mit den Fahrrädern los in den Hortobagy-Nationalpark (Halasto), der übrigens auch ein Unesco Weltkulturerbe ist.



Es war wirklich wunderschön morgens durch die neblige Landschaft zu radeln. Vor allem weil wir die einzige Leute weit und breit waren. Die Wege waren nicht immer unbeding Fahrradoptimal, so dass wir auch hin und wieder die ein oder andere Strecke schieben mussten.
Im Laufe des Vormittags verzog sich auch der Nebel und die Landschaft zeigte sich in völlig neuen, beeindruckenden Facetten.

Aber was haben wir nun tolles in der Puszta, die ja ein Ausläufer der eurasischen Steppenlandaschaft ist (ausser frühmorgendlichen Fahrradfahren durch dichten Nebel) erlebt?

Das erste Highlight (nach Spinnennetzen im Nebel,...) war eine Rinderherde die ganz plötzlich rechts neben uns im Nebel auftauchte:

In der Wilde der Puszta mussten wir auch kühne Abenteuer bestehen. Plötzlich ging es nur über eine wackelige Brücke (über einem tiefen Abgrund) weiter...


Die Tierwelt bei den Fischteichen im Schaugebiet des Nationalparks war auch sehr beeindruckend.. (Danke an Andi für die tollen Fotos :D )


Wie allerdings riesige Muscheln in die Puszta kommen blieb uns ein Rätsel...


Die Qualität der Fahrradwege variierte auch ziemlich...


Barbara kann Fahrrad fahren... (nicht nur im Geheimen ;-))

Kurze Zeit später sah unser offizieller Fahrradweg dann so aus...

..und auf einmal gabs gar keinen mehr. Also gings mal kreuz und quer durch die Wiesen...Und neben offiziellen Schaugebieten gibt es in so Nationalparks auch Gebiete deren Zugang verboten ist. Blöd nur wenn man sich dahin verfährt (wir sind natürlich nachdem wir das bemerkt haben auf schnellsten Wege zurückgefahren... ;-)) Einen Blick in die Weite der "verbotenen Puszta" wollen wir euch dennoch nicht vorenthalten...

Die Bausubstanz war nicht immer wirklich gut erhalten.. aber die Weite und Stille der Puszta hat richtig gut getan. Und war auch mal ein großer Kontrast zum Leben in Budapest.

Übrigens habe ich mich auch richtig gut als Schafhirtin (=juhász) gemacht (also falls es mit dem Studium nicht so ganz klappt...)

Allerdings sollte ich vielleicht noch dazuerwähnen, dass sich die Schafe plötzlich sehr komisch benommen haben und immer im Kreis gelaufen sind... (ob daran ich schuld war??)


Plötzlich kommt eine Rinderherde auf uns zugelaufen. Die tun uns doch nichts? (Glücklicherweise schickt der gulyás (=Rinderhirte) seine Hunde los um die Tiere zurückzutreiben...)

Kurz bevor wir uns wieder auf die Rückreise machten, konnten wir noch in der Ferne Reiter in der Puszta entdecken. Ein schönes Bild...


Und zu guter Letzt hier nochmal ein Bild des Wahrzeichens der Puszta: Ein Ziehbrunnen

Die Heimfahrt von Hortobagy nach Budapest wurde dann noch etwas beschwerlicher als erwartet. Zunächst nahmen wir den Bummelzug (von Debrecen kommend) nach Füzesabony. Und hier in Ungarn gibt es wie z.B. auch in Hortobagy an vielen Bahnhöfen keine Fahrkartenschalter oder -automaten. Daher setzt man sich einfach in den Zug und wartet bis der Kontrolleur kommt und kauft bei ihm das Ticket. Der Kontrolleur kam zwar mehrfach an uns vorbei, aber anscheinend dachte er er hätte uns schon kontrolliert... Irgendwie gefällt mir das System hier :D - Wir waren schon sehr hungrig als wir in Hortobagy los gefahren sind (der Supermarkt und jegliche anderen Lokalitäten wo man Essen kaufen kann, waren schon geschlossen..) und hofften in Füzesabony eine Kleinigkeit zu essen zu bekommen... Schließlich war der Ort nur mittelmäßig klein und nicht sehr klein. Das war leider eine Falschannahme und so irrten wir erstmal ein bisschen durch den Ort bis wir eine kleine Pizzeria entdeckten, wo wir uns wenigstens noch mit einer Pizza eindecken konnten bevor wir wieder zum Bahnhof eilten um weiter nach Budapest zu fahren. Womit wir nicht wirklich gerechnet hatten: Sonntag abend will wohl das ganze Land nach Budapest... als der Zug ankam war er bereits mehr als überfüllt. So verbrachten wir die noch noch 2einhalb Stunden dauernde Fahrt in einem stinkenden, völlig überfüllten Zug in dem wir auf dem Boden saßen (egal, wir waren eh schon dreckig vom Radfahren in der Puszta..) Zu allem überl saß schräg gegenüber von uns auch noch ein recht Betrunkener Typ... Naja letzten Endes sind wir ja wieder gut in Budapest angekommen :-)

* * *

So, jetzt ist der Bericht gerade noch vorm Wochenende fertig geworden. Während Andi (leider) lernen muss, werde ich mit den Leuten von der Pazmány Peter Uni (wo wir im August an der Summeruniversity teilgenommen haben..) eine Tour durch den Nordosten Ungarns unternehmen...

2 comments:

Joe Hannes said...

Ich bin mir nicht sicher, wie ich das Verhalten der Schafe deuten soll - aber ich bin mir sicher, dass es etwas mit dir zu tun hat!
Vielleicht warst du in deinem früheren Leben mal ein Hirtenhund (ein ganz schöner, netter und überhaupt bewundernswerter natürlich) ;-)

Joe Hannes said...

Der H&M hier ist in etwa so teuer wie in Deutschland, und damit der einzige halbwegs bezahlbare Klamottenladen in ganz Antwerpen...
Aber sobald mein Diamantenschmuggel so richtig floriert, ist mir das auch egal =)