Sieh einmal da steht er…
Pfuiii der Struwelpeter – und dann auch noch im Anzug…
Graus o Graus, und dann auch noch diese Musik. Die Sonne brennt und die Leute um uns herum gehen voll ab: Langhaarige, stinkende Menschen mit nackten Oberkörpern grölen mit zu Texten, die für uns nach 2 Wochen ungarisch genauso verständlich sind wie für die wenigen Deutschen, die sich vor uns versammelt haben.
Wo sind wir?
SZIGET!
Eines der größten Music-Festivals in Europa, welches derzeit in Budapest auf einer ganzen Insel in der Donau stattfindet.
Und der Struwelpeter ist in Wirklichkeit Sänger der ungarischen Gruppe „URH“, die die Main-Stage am frühen Freitag-Abend rockte. Uns wurde diese Alternative-Band empfohlen, weswegen wir die Nachmittags-Lecture über die ungarische Gastronomie inklusive Weinprobe sausen ließen, um den Spirit des Festivals mitzuerleben.
Gut, wer Babs kennt, der weiß, dass irgendeine ungarische 0815-Rock-Band noch lange kein Grund für sie ist, eine solche Veranstaltung ausfallen zu lassen;-) Da müssten schon mindestens drei gut aussehende Männer auftreten. Doch gut aussehende Männer auf einem Rock-Festival? Wo der große Headliner Iron Maden (e.g. die hässlichste Band der Welt) ist? Die Antwort kann nur lauten: Bela B., Farin Urlaub und Rodrigo Gonzales alias die Beste Band der Welt e.k. Die Ärzte aus Berlin, Germany.
Diese spielten nach besagten URH auf der Main-Stage und da wir zeitlich früh da waren hatten wir zwar Top-Plätze (zweite Reihe, Mitte, also gaaaaanz nah an der Bühne), mussten aber
auch Struwelpeter und seine Kollegen ertragen. Gut, um ehrlich zu sein: So schlecht war die Musik echt nicht (zumindest teilsweise). Dennoch waren wir froh, als es gegen 19.30 hieß:
Achtung Jazz!
Die nächsten 1 ½ Stunden wurde dann gejazzt, gerockt, gepoget,
geschrien und gesprungen was das Zeug hält. Supergute Stimmung, eine 1a Songauswahl der Ärzte (100% Mitgröl-Faktor) und viele
Stagediver über unseren KöpfenJ. Festival-Feeling per excellence, allein dafür hatten sich die 8000 Forint (etwa 34 Euro) für das Tagesticket sowie die resultierende dicke Beule am Kopf
(bei mir) und die Ellbogen-Schmerzen (bei Babs) gelohnt.
Danach waren wir ziemlich durchgeschwitzt, hungrig, durstig und glücklich.
Nach einer Stärkung und neuen Klamotten ging es dann zu den Sex-Pistols auf der Hauptbühne. Deren Message war in etwa: Erase George W. Bush! Dazu eine Boxershort mit dem Union-Jack und gar nicht mal schlechte Musik;-).
Anschließend stürzten wir uns ganz tief in den Abgrund: TÖTEN!!! Death!!! ROaaarrr!! In der Hammerworld-Arena, wo eine Deutsche Band mit dem Namen Dew Scented spielte. Na ja, eigentlich machten sie eher Krach. Daher gingen wir in das benachbarte Zelt, wo ganz viele schöne schwarze T-Shirts mit netten Bildern (Totenköpfe, feuerspeiende Drachen, Monster etc.) verkauft wurden. Warum trägt so was eigentlich keiner an der WFI??… Da unser Geldbeutel nicht mehr so gut gefüllt war, mussten wir leider auf den Kauf eines solchen T-Shirts verzichten und ganz unschwarz gekleidet in die Hammerworld-Arena gehen. Dort spielten dann Apocalyptica auf ihren Celli und ließen ihre langen Haare im Takt der Musik kreisen. Das auf so einem Festival auch sehr viele komische Leute rumlaufen, dürfte klar sein. Zwei ganz besondere Exenmplare der Spezies Metal-Fans (ein kleiner, sehr behaarter Zwerg und sein Freund, der Zeuge Jehovas) standen neben uns und gaben sich sehr komischen Bewegungen hin.
Als wir uns anschließend wieder dem Totenreich abwendeten, hatten wir noch etwa vier Stunden, bis der erste Zug zurück nach Piliscsaba fuhr.
Es blieb also noch genug Zeit, die Insel einige (gefühlte) Male zu umkreisen und verschiedene weitere Stages und Zelte zu besuchen. Komischerweise lief in den meisten Zelten extreme Elektro-Musik, was doch sehr kontrastiv zu dem Metall aus Hammerworld war.
Im Morgengrauen verließen wir schließlich die Insel und damit Sziget und beschlossen, am nächsten Tag nicht mit nach Esztergom zu fahren, sondern lieber einen entspannten Tag in Piliscsaba zu verbringen (und mal wieder was für unsere Ungarisch-Kenntnisse zu tun, so dass wir die Texte von URH auch verstehen können^^)...

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